WORUM ES GEHT

Unsere Egge, ein Nationalpark?

Was passiert eigentlich gerade?

Im Koalitionsvertrag zwischen CDU und Grünen in NRW wurde festgeschrieben, dass das Land einen 2. Nationalpark auf Staatsforstflächen neben der Eifel ausweisen soll. Es soll darüber im Einvernehmen mit den betroffenen Regionen entschieden werden. Unter den favorisierten Gebieten steht die Egge an erster Stelle. Die Region mit ihren 4 betroffenen Landkreisen Lippe, Hochsauerland, besonders aber Höxter und Paderborn als Kreise mit den höchsten Anteilen an der Gebietskulisse müsste sich darum bewerben. Das lehnte der Kreistag in Höxter frühzeitig mit großer Mehrheit ab. In beiden Kreisen wurden Unterschriften gesammelt und damit ein Bürgerbegehren erreicht, das die beiden Kreistage auffordert, sich um die Einrichtung eines Nationalparks in der Egge zu bewerben.

Beide Kreistage haben am 18. März darüber entschieden, dass dem Bürgerbegehren nicht stattgegeben und sie sich nicht bewerben werden. Da sie das Bürgerbegehren abgelehnt haben, wird ein Bürgerentscheid durchgeführt. Dann sind alle wahlberechtigten Bürger dazu aufgefordert, in einer Briefwahl ihre Stimme abzugeben. Die Briefwahlunterlagen werden ihnen per Post voraussichtlich bis Ende Mai zugeschickt und müssen bis zum 12. Juni zurückgeschickt oder bis 24.00 Uhr bei der Kreisverwaltung eingegangen sein. Wer mit NEIN stimmt, spricht sich GEGEN die Bewerbung durch die Kreise aus.

Ursprünglich hatte das Land eine Bewerbungsfrist festgesetzt. Da sich aber bisher keine Region für den 2. Nationalpark in NRW begeistert, wurde die Bewerbungsfrist auf unbestimmte Zeit verlängert.








Deshalb brauchen wir keinen Nationalpark:

Ja zu unserer Egge

weil uns Artenschutz wichtig ist!





Warum sich die Egge nicht als Nationalpark eignet:

Unsere Egge ist ein langer, schmaler Korridor

Die Bewohner zog es schon immer auf die andere Seite, so ist er von Straßen und Bahnlinien zerschnitten. Dazu kommen Versorgungsstrukturen für die Bewohner wie Mobilfunkmasten, Stromtrassen, Wassergewinnungsanlagen. Das verhindert den wichtigsten Nationalpark- Auftrag: Natur Natur sein lassen.

So sieht die ideale Fläche für einen Nationalpark aus:

Sie ist möglichst kompakt, unzerschnitten und hat eine geringe Außengrenze. Dann kann sich die Natur weitgehend ungestört entwickeln. Die schmale Kulisse und die Nähe zu Dörfern und Kleinstädten am Fuß des Gebirgszuges verhindert die geforderten großräumigen Ruhezonen. Es kommt zu Störungen durch Autoverkehr auf den Straßen. Die in den Nächten gewünschte Dunkelheit fehlt. Lärm kann nicht ausgeschlossen werden. Die Menschen vor Ort verursachen Abgase und düngen ihre Flächen. Sie halten Vieh und leben vom Holzeinschlag und der Weiterverarbeitung. Sie können nicht auf das Trinkwasser verzichten.

Flickenteppich - deshalb ist unsere als Nationalpark abzulehnen

Bewahrung von Zugangsmöglichkeiten und Schutzstatus

Die Egge hat einen hohen Freizeitwert für Wanderer, Mountainbiker, Kletterer und Reiter. Wir machen Picknick in der Natur und sammeln seit Generationen Beeren, Pilze, Bärlauch und andere Kräuter. Die Möglichkeiten dazu sind durch den hohen Schutzstatus vieler Flächen in der Egge bereits jetzt stark eingeschränkt. Wir möchten weiterhin alle derzeit vorhandenen Wege zu diesen Plätzen nutzen und uns auch rechts und links davon bewegen. Direkt am Fuß der Egge und teilweise in sie hineinragend befinden sich Teiche, Sportplätze, Grillhütten und Naturerlebnispfade, die einen wichtigen Beitrag zur Lebensqualität unserer Bevölkerung leisten. Direkt an seinen Grenzen befinden sich kleinere und größere Industrieansiedlungen, die um ihre Weiterentwicklung fürchten.

Rettungswege und Brandschutz im Fokus

Im Bereich der Bahnstrecke müssen auch in Zukunft Rettungswege für Feuerwehr und Rettungskräfte erhalten bleiben. In diesen Bereichen ist es undenkbar, die Wege, die im Notfall als Einbahnstraßen genutzt werden müssen, zurückzubauen.

Siedlungen reichen so nah an die geplante Gebietskulisse, dass sie im Falle eines Waldbrandes akut gefährdet wären.

Aus den langgezogenen Grenzen wird immer wieder Wild in das Kulturland austreten, da sich die Jagd grundlegend verändern wird.






Flickenteppich Staatsforst

Der Staatsforst ist kein in sich geschlossenes Gebiet. Er wird kleinräumig von Privatwaldgrundstücken zergliedert. Dazu kommen Gemeinde- und Stadtwälder und Flächen des Lippischen Landesverbandes. Wenn diese weiterhin ihren Status als Nutzwald behalten können, müssen sie über Wege und Forststraßen weiterhin so erschlossen sein, dass sich eine Bewirtschaftung lohnt. Die vielen Wege, Straßen und Bahntrassen haben einen Pflegekorridor von 300 m rechts und links zur Gefahrenabwehr nach Sturmereignissen vorzuhalten. An einigen Stellen gibt es sogar Ortsbebauung.

Die Bestrebungen, die Gebietskulisse zu erweitern und zu „begradigen“, führt dazu, dass Druck auf die Flächeneigentümer ausgeübt wird. Schon heute gibt es ein übertragbares Vorkaufsrecht des Landes für Flächen innerhalb von Schutzgebieten. Das führt dazu, dass landwirtschaftliche Flächen zu Höchstpreisen verkauft werden.

Angrenzende Eigentümer fürchten eine schleichende Enteignung durch stetig schärfere Nutzungsvorgaben und -einschränkungen, bis die Waldbesitzer und Landwirte ihr Eigentum aufgeben. (Vorgaben der IUCN zu Richtlinien für Management-Kategorien von Schutzgebieten)





Pufferzonen in der Egge

Was sind Pufferzonen?

Die Pufferzone ist Teil der Zonierung eines Schutzgebietes. Eine Pufferzone liegt an bzw. um einen zu schützenden Bereich, um diesen von negativen Umwelteinflüssen (z.B. von Siedlungsbereichen) abzuschirmen. Pufferzonen dienen auch dem Schutz des typischen Landschaftsbildes.


Sind Pufferzonen möglich?

Von den Nationalparkbefürwortern wird immer behauptet, es gäbe keine Pufferzonen. Das stimmt so nicht!

So wurde beispielsweise im Nationalpark Eifel konkrete Handlungsempfehlungen zu dieser Thematik gegeben:
D (wie Defizite): Dem Nationalpark Eifel ist keine wie von der IUCN geforderte Pufferzone entlang der Nationalparkgrenzen vorgelagert.

H (wie Handlungsempfehlung): Ankauf oder langfristige Anpachtung von an den Nationalpark angrenzenden Flächen zur Einrichtung kleinräumiger Pufferzonen.“ (Quelle: Bd. 2 Bestandsanalyse 2013; Schriftenreihe zum Nationalpark Eifel Bd. 6), Abschnitt B (Rechtliche und planerische Grundlagen) im gelb gekennzeichneten Analysebericht S. 58, 2. Spalte bemängelt:

Diese Aussagen entsprechen genau den Befürchtungen der Landwirte und Privatwaldbesitzer, die Anlieger an der geplanten Nationalparkkulisse in der Egge sind.


Naturschutzverbände fordern bereits Schutzmaßnahmen für die Egge:
NABU-Stellungnahme zum Regionalplan

Der NABU betont in seiner Stellungnahme die Dringlichkeit von Pufferzonen und Schutzmaßnahmen in Naturschutzgebieten. Insbesondere die einzigartige Lage der Egge wird dabei hervorgehoben. Der Vergleich mit anderen Nationalparken wie der Eiffel sei aufgrund der besonderen Infrastruktur, bestehend aus Autobahnen, ICE-Trassen, Windkraftanlagen, Siedlungen und Industriegebieten, nicht zielführend. Die Egge stehe vor spezifischen Herausforderungen, die eine individuelle Herangehensweise erfordern.

Die Stellungnahme des NABU verdeutlicht die bereits bestehenden Forderungen nach Schutzmaßnahmen und unterstreicht die Notwendigkeit, die Besonderheiten jeder Region bei der Planung von Naturschutzgebieten zu berücksichtigen.

Quelle


Ja zu unserer Egge

für Fortschritt und Ökologie mit Augenmaß





Worum es den Befürwortern geht

Der Slogan aller Nationalparke lautet „Natur Natur sein lassen“. Sie berufen sich auf internationale Verpflichtungen, die Bund und Land eingegangen sind, größere Teile unserer Kulturfläche sich selbst zu überlassen. Dazu bieten sich Staatsforstflächen an, weil sie sich bereits im Landeseigentum befinden.

Dabei verschweigen sie, dass sich die Artenvielfalt in der Egge trotz, mit und manchmal auch gerade wegen der naturgemäßen Bewirtschaftung entwickelt hat und dass die Biodiversität durch die derzeitige Nutzung in keinster Weise gefährdet ist! Außerdem bleibt unerwähnt, dass die natürliche Entwicklung umso schwieriger wird, je weniger kompakt und unzerschnitten diese Flächen sind. Wirkliche Urwaldflächen gibt es in unserem dicht besiedelten Land bereits seit mindestens 2 Jahrtausenden nicht mehr. Daher wurde der Kniff mit dem Entwicklungsnationalpark eingeführt. Man will nicht das schützen, was da ist, wie wertvolle Offenlandflächen, deren hohe Artenvielfalt nur durch ständige Pflege erhalten werden kann. Sondern man will in einer Übergangszeit von 30 Jahren die eigene Idee von dem, was die Befürworter für natürlich halten, anlegen und mindestens 75 % der Flächen, die sogenannten Ruhe- oder Kernzonen völlig sich selbst überlassen. Dabei wollen sie eine „Natur“ fördern, die auf der Grundlage der jetzt vorherrschenden Klimabedingungen stabil, aber im Zuge des Klimawandels bedroht ist. Man hat die Hoffnung, dass sich dann in mehreren Hundert Jahren wieder urwaldähnliche Strukturen entwickeln. Dabei ist es ihnen langfristig egal, in welche Richtung sich dieser Lebensraum entwickelt Hauptsache, der Mensch greift nicht mehr ein.

Einige Befürworter des Nationalparks sind nur Gegner der Windkraft. Um dieses Ziel durchzusetzen, ist jedes Mittel recht. Dabei bewahrt lediglich die Windkraft einige Gemeinden des Kreises Paderborn vor der Haushalssicherung. Und ermöglicht damit den Kommunen Investitionen in Schulen, Kindergärten und Infrastruktur.

Unterstützt von Vertretern des Tourismus und einiger Kurstädte, die das „Nationalparklabel“ als Werbeslogan wollen, versuchen hier ideologisch motivierte Minderheiten zusammen mit Windkraftgegnern der Mehrheit der direkt angrenzenden Anwohner einen Nationalpark aufzudrücken. Dabei nutzen sie die Komplexität des Themas aus, um die Bevölkerung irrezuführen, die unbedingt etwas für die Natur tun möchten. Der grundsätzlich positive Begriff „Nationalpark“ ist ihnen dabei eine unschätzbare Hilfe.






Folgen eines Nationalparks

Wirtschaftliche Auswirkungen

  • · Schaden von 40 Mio. EUR laut IHK-Gutachten
  • · Arbeitsplatzabbau und Investitionsrückgang in der Region
  • · Gemeindefinanzen durch Gewerbesteuer betroffen

Holznutzung

  • · Jährliches Fehlen von 40.000 Festmetern Holz
  • · Potenzieller Verlust von 95.000 bis 120.000 Fm Holz pro Jahr
  • · Befürchteter Langzeitschaden für erneuerbaren Rohstoff

Tourismus

  • · Hoffnung auf Kompensation durch Tourismuswachstum
  • · Hoher finanzieller Aufwand für infrastrukturelle Entwicklung
  • · Zweifel an langfristigen wirtschaftlichen Vorteilen für die Region

Infrastruktur und Brandschutz

  • · Rückbau von Wegen und Straßen um mindestens 40 %
  • · Herausforderungen bei Waldbrandbekämpfung
  • · Geplante Einschränkung der Brandbekämpfung auf Bedrohungslagen

Jagd und Landwirtschaft

  • · Einschränkungen bei Jagdrevieren und Jagdmethoden
  • · Sorgen um Schäden an landwirtschaftlichen Flächen
  • · Einschränkungen bei Pachtflächen und Nutzung von Ressourcen

Restriktionen und Einschränkungen im Nationalpark

  • · Beschränkung von Freizeitaktivitäten und Infrastrukturentwicklung
  • · Verbot oder Einschränkung von Freizeitaktivitäten in der Fläche
  • · Mitspracherecht der Nationalparkleitung bei Großveranstaltungen








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